Anforderungen an Bauprojekte: Gesetzliche Änderungen und Förderungen ab 2026
Die Anforderungen an Bauprojekte verändern sich nicht über Nacht, aber sie verschieben sich spürbar. Für die kommenden Jahre zeichnet sich ab, dass energetische Qualität, technische Nachweise und Förderlogiken enger miteinander verzahnt werden. Für Bauherren, Bauträger, Planer und Ausführende bedeutet das vor allem eines: Planung, Messungen und Dokumentation müssen früher und sauberer aufgesetzt werden.
Dieser Beitrag ordnet ein, welche konkreten gesetzlichen und förderseitigen Entwicklungen mit Blick auf 2026 relevant sind und welche Auswirkungen sie auf die Baupraxis haben.
Gebäudeenergiegesetz: aktueller Stand und Blick auf 2026
Das Gebäudeenergiegesetz ist bereits heute der zentrale Rahmen für energetische Anforderungen an Gebäude. Seit 2024 gilt im Neubau, dass Heizsysteme zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Für Bestandsgebäude greifen diese Vorgaben zeitlich gestaffelt, abhängig von der kommunalen Wärmeplanung.
Für viele Projekte ist dabei nicht nur die aktuelle Regelung relevant, sondern die Frage, wie stabil diese Vorgaben in den kommenden Jahren bleiben.
Geplante Reform des GEG zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) ab Ende Februar 2026
Die Bundesregierung hat angekündigt, das Gebäudeenergiegesetz ab 2026 grundlegend weiterzuentwickeln. Ziel ist eine Neuausrichtung, die technologieoffener gestaltet werden soll und stärker auf tatsächliche Emissionen und Gesamtwirkung von Gebäuden abzielt.
Diskutiert werden dabei unter anderem:
- eine Überarbeitung der bisherigen 65-Prozent-Regel
- mehr Flexibilität bei der Wahl der Heiztechnologien
- eine stärkere Kopplung an Klimaziele statt an einzelne technische Lösungen
- eine mögliche Umbenennung und strukturelle Neufassung des Gesetzes
Auch wenn konkrete Gesetzestexte noch nicht vorliegen, ist für die Branche wichtig: Planungsentscheidungen aus 2025 wirken in ein Regelwerk hinein, das sich in 2026 voraussichtlich ändern wird.
Für Bauherren und Projektentwickler heißt das, technische Konzepte so zu wählen, dass sie robust gegenüber regulatorischen Anpassungen bleiben.
Kommunale Wärmeplanung als Auslöser für konkrete Pflichten
Ein entscheidender Faktor für die praktische Umsetzung ist die kommunale Wärmeplanung. Sie bestimmt, ab welchem Zeitpunkt bestimmte Anforderungen im Gebäudebestand verbindlich greifen.
Für Eigentümer und Projektentwickler ist damit nicht nur der gesetzliche Rahmen relevant, sondern auch der Planungsstand der jeweiligen Kommune. Mit Vorliegen eines kommunalen Wärmeplans können sich Anforderungen an Heizsysteme und energetische Konzepte unmittelbar verändern.
Für Bau- und Sanierungsprojekte bedeutet das: Standort und Zeitpunkt gewinnen zusätzlich an Bedeutung.
Technische Anforderungen verschieben sich in die Bauphase
Unabhängig von der Gesetzesform zeigt sich bereits heute ein klarer Trend. Technische Qualität wird nicht mehr nur rechnerisch bewertet, sondern zunehmend am realen Gebäude überprüft.
In der Praxis bedeutet das:
- Luftdichtheit wird stärker kontrolliert
- baubegleitende Prüfungen gewinnen an Bedeutung
- späte Nachweise bergen höhere Risiken
Blower Door Tests werden dabei immer häufiger nicht nur als formaler Endnachweis eingesetzt, sondern als Werkzeug zur Qualitätssicherung während der Bauausführung. Undichtigkeiten lassen sich so erkennen, solange Bauteile noch zugänglich sind.
Bedeutung von Energieeffizienz-Standards
Die BEG-Förderung bindet Förderquoten zunehmend an definierte Standardklassen (z. B. Effizienzhaus-Standards). Auch wenn diese Standards selbst technisch definiert werden, lässt sich beobachten, dass höhere Effizienzklassen systematisch stärker gefördert werden als niedrigere.
Das wirkt sich aus auf:
- Dämmkonzepte
- Lüftungstechnikplanung
- Auswahl von Systemkomponenten
Die praktische Folge: Projekte, die energetisch stärker optimiert sind, erhalten finanziell bessere Konditionen und damit größere Planungssicherheit.
Förderung bleibt attraktiv, wird aber anspruchsvoller
Die Förderlandschaft bleibt auch 2026 ein zentraler Faktor für Bau- und Sanierungsprojekte. Programme im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude werden weiterhin über die KfW und das BAFA abgewickelt.
Was sich dabei verändert hat und weiter verändern wird:
- Förderungen sind stärker an technische Nachweise gekoppelt
- Messprotokolle und Dokumentationen werden genauer geprüft
- Abweichungen zwischen Planung und Ausführung fallen stärker ins Gewicht
Für die Praxis heißt das: Messungen, Nachweise und Dokumentation sind keine formalen Nebenpunkte mehr, sondern förderrelevante Bestandteile des Projekts.
Konkrete Änderungen bei Förderbedingungen ab 2026
Ein Beispiel mit praktischem Einfluss auf Projektentscheidungen betrifft die Wärmepumpenförderung:
Seit dem 01.01.2026 gelten strengere Anforderungen an die Geräuschentwicklung von Luft-Wasser-Wärmepumpen, um förderfähig zu bleiben. Diese Geräte müssen gegenüber den EU-Ökodesignvorgaben deutlich leisere Außengeräte aufweisen.
Für Bauherren und Projektverantwortliche bedeutet das:
- Auswahl geeigneter Wärmepumpen im Leistungsverzeichnis
- Berücksichtigung von Schallschutz in der Planung
- Verlustrisiko bei Ausschreibung ungeeigneter Geräte
Raumluftqualität rückt stärker in den Fokus
Neben der Energieeffizienz gewinnt auch die Innenraumluftqualität weiter an Bedeutung. Themen wie flüchtige organische Verbindungen, Formaldehyd oder Radon spielen vor allem bei:
- Neubauten mit hoher Luftdichtheit
- umfangreichen Sanierungen
- geförderten Wohnbauprojekten
eine zunehmende Rolle.
Raumluftmessungen dienen dabei nicht nur der Erfüllung von Förderkriterien. Sie helfen, Nutzungskonflikte, Gesundheitsdiskussionen und spätere Nachbesserungen zu vermeiden.
Nachhaltigkeitsanforderungen werden technischer
Nachhaltigkeit wird im Gebäudebereich weniger über abstrakte Zielbilder bewertet, sondern über messbare Eigenschaften des Gebäudes. Dazu zählen unter anderem:
- energetische Qualität
- Luftdichtheit
- Raumluftparameter
- nachvollziehbare Dokumentation
Gerade bei größeren Projekten und gefördertem Wohnungsbau steigt der Bedarf an sauberer technischer Begleitung.
Was bedeutet das für Bauherren und Bauträger konkret?
Mit Blick auf 2026 lassen sich drei praxisnahe Konsequenzen festhalten:
- Technische Konzepte sollten regulatorisch belastbar sein.
- Messungen müssen frühzeitig eingeplant werden.
- Dokumentation entscheidet zunehmend über Förderung und Projektstabilität.
Wer diese Punkte berücksichtigt, reduziert Risiken und bleibt handlungsfähig – auch bei sich ändernden Rahmenbedingungen.
Ein wichtiger Punkt dabei ist die Unterscheidung zwischen Neubau und Bestand. Während Neubauten bereits heute weitgehend klaren energetischen Anforderungen unterliegen, entstehen die größten Unsicherheiten in der Praxis vor allem bei Sanierungen und beim Austausch bestehender Heizsysteme.
Gerade hier greifen gesetzliche Vorgaben, Förderlogiken und kommunale Rahmenbedingungen zeitlich versetzt und projektspezifisch.
Wie ean50 Bauprojekte unterstützt
ean50 begleitet Bauprojekte an genau diesen Schnittstellen. Dazu gehören unter anderem:
- Blower Door Tests
- baubegleitende Luftdichtheitsmessungen
- Raumluftmessungen
- technische Dokumentation für Förderprogramme
- Expertise Nachhaltigkeitszertifizierung & Nachhaltigkeitsauditor
Die Erfahrung aus vielen tausend Projekten zeigt: Frühe Einbindung spart Aufwand, Zeit und Kosten.
Fazit
2026 markiert keinen abrupten Umbruch, aber eine deutliche Verschiebung. Gesetzliche Rahmenbedingungen, Förderlogiken und technische Anforderungen greifen enger ineinander. Frühe Planung, saubere Messungen und belastbare Dokumentation werden damit zu entscheidenden Faktoren für erfolgreiche Bauprojekte.
